Posted by Sebastian in
Saturday, January 5. 2008
In der Süddeutschen Zeitung und besonders in deren Online-Ableger sueddeutsche.de spielen sich seit geraumer Zeit bizarre SZenen (*hust*) ab. Einerseits wird an allen möglichen und unmöglichen Stellen gegen die Auswüchse des so genannten Web 2.0 gewettert. Wikipedia sei keine annehmbare Recherchequelle für Journalisten, Blogs dienten nur der Selbstdarstellung ihrer Verfasser und Youtube... ganz furchtbar. Logisch, dass Wikipedia keine verlässliche Quelle ist - qua definition, denn jeder kann Einträge verändern. Auch wenn das so nicht mehr stimmt, denn einige Einträge können gesperrt werden. Natürlich dienen Blogs der Selbstdarstellung, etwa so sehr wie Bewerbungsunterlagen. Und wie diese sind sie natürlich nicht objektiv aber manchmal unglaublich unterhaltsam.
(Auf der anderen Seite geht man allerdings virtuos mit den Techniken und Bedingungen des Mediums um, wenn man aus reiner Klickschinderei etwa eine Bildergalerie mit den wissenschaftlich belegten Top 237 Gründen für Sex erstellt.)
Aber jetzt kommt's dicke, denn Hans Leyendecker schlägt zu. Die Gallionsfigur des investigativen Journalismus sah sich offenbar genötigt, erneut auf die Unzulänglichkeiten und Unbrauchbarkeiten des "Cyberspace" hinzuweisen. Dabei geht er leider wenig differenziert und kenntnislos vor. Denn das Internet sieht er als singuläre Quelle an. Er greift einzelne Beispiele heraus, in denen Wikipedia-Einträge fälschlich editiert wurden und wirft dann dem Medium Internet vor, dass Journalisten diese falschen Informationen munter verbreitet haben.
Aber jetzt kommt's dicke, denn Hans Leyendecker schlägt zu. Die
Gallionsfigur des investigativen Journalismus sah sich offenbar
genötigt, erneut auf die Unzulänglichkeiten und Unbrauchbarkeiten des
"Cyberspace" hinzuweisen. Dabei geht er leider wenig differenziert und
erstaunlich kenntnislos vor. Er
greift einzelne Beispiele heraus und wirft dann dem Medium Internet vor, dass
Journalisten diese falschen Informationen munter verbreitet haben. Namentlich die angeblichen Emma-Chefredakteurin Susanne Fröhlich und den Sohn von Benazir Bhutto, über den bei Facebook.
Diese beiden Fälle zu benutzen, um "den Cyberspace" rundheraus als Quelle abzulehnen, ist aber ungefähr so sinnvoll, wie nach den Skandalen um Tom Kummer, Michael Born und Gerd Heidemann gleich alle Tageszeitungen, Zeitschriften und Fernsehmagazine aus dem Recherchepool zu löschen.
Natürlich schwebt über jeder Internet-Recherche das Damoklesschwert des das Fake. Aber was ist neu daran? Auch in Büchern, Zeitungen und Fernsehsendungen wird nicht nur Mist sondern auch Falsches mitgeteilt. Gerade die Schleichwerbeskandale der letzten Monate machen dies deutlich.
Von Watchblogs wie BildBlog oder SpiegelKritik die sich mit den Unzulänglichkeiten der Schreibenden Zunft auseinandersetzen ist nicht die Rede - natürlich.
*) Gatekeeper
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